Kleine Chronik des Berggießhübeler Bergbaus und der Berggießhübeler Knappschaft

 

bis1250

Unter böhmischer Lehnsherrschaft besiedeln deutsche Eisenbauern das mittlere Gottleubatal.Wahrscheinlich setzen bereits damals erste Erzschürfungen ein.

 

1388

Im Leibgedingebrief für die Frau des Vogts von Gottleuba werden neben Mühlen, Äckern, Wäldern und Wiesen auch „bergwerken“genannt.

 

1403/10

In einer Lehnsurkunde von Markgraf Wilhelm I. von Meisen wird 1403 ein„hammer unter dem Dorfe Breitenaw“ (Oelsengrund) genannt. 1410 wird das Hammerwerk „Brussensteyn“ (Brausenstein) im Bielatal erstmals urkundlich erwähnt.

 

1412

Landgraf Friedrich der Jüngere belehnt die Vettern Reinhard und Gotze Karas mit dem"geseße zcum Gyßobel mid dem vorwerke und zcinsen yn dem dorffe do selbis".Damit

wird Berggieshübel erstmals urkundlich erwähnt.

 

1443/45

Zinsabrechnungen der Burg Dohna und des Amtes Pirna nennen insgesamt 20 Hammerwerke bzw. Hammerwerksbesitzer entlang von Müglitz, Gottleuba, Bahra und Biela.

 

1447

Eine Belehnungsurkunde nennt erstmals „einen ißenberg, der Witeberg, zcwuschen der Goteleuben und dem Gißobil gelegen“.

 

1451/52

In einer Abrechnung des Bergvogtes Thymo Puls werden vom Sonntag nach Walpurgis (30.April)1451 bis Jakobi (25. Juli) 1452 Einnahmen vom "...zcehenden des ysensteins..." in Hohe von 6 Schock 35 Groschen genannt.

 

1463/66

Mit Peter Hertil wird ein erster "bergmeister uf dem Gißhobil" genannt. 1466 folgt Hans Cluge als

"bergkmeister zcum Gishobel unnde alle andere bergkwercke [...]uß geslosßen unnser

bergkwerckezcu Friberg, Zcwigkaw unde Geyer, Ernfridistorff".

 

1472

Mit Einrichtung der Kurfürstlichen Eisenkammer in Pirna bringt Kurfürst Ernst das osterzgebirgische Eisenhüttenwesen unter seine Kontrolle und installiert ein Monopolim

sächsischen Eisenhandel.

 

1483

Bergherr Rudolf von Bünau berichtet, dass die "knabschaft ufm Eysenberge" sich gegen Bergmeister und Bergherrn wegen zu geringer Entlohnung erhob und dabei die Bergwerke stark beschädigt wurden. Dies ist wahrscheinlich der älteste Nachweis der Knappschaft zu Berggießhübel.

 

1516

Herzog Georg von Sachsen erlässt eine erste schriftliche Ordnung für das"pergkwergk des Gishubels".Weitere Ordnungen, Mandate und Befehle folgen 1538, 1541, 1546, 1564,1570, 1583,1594, 1614, 1660 und 1666.

 

 

um 1520

Hammermeister Hans Rabe gelingt in der Hütte Giesenstein erstmals in Sachsen die Herstellung gusseiserner Produkte in einem holzkohlebetriebenen Hochofen.

 

1539

Herzog Heinrich antwortet auf eine Beschwerde der "knabschaft ufm Eyßenberge im Gießhübell".

 

1569

Der Eisenerzbergbau wirft immer weniger Gewinne ab. Kurfürst August gestattet deshalb "der

gemeinen knapschafft und [den]einwohnern im Berckgißhuebell [wegen] irer grossen armuth und

schwären nahrung" das Holzsammeln in den umliegenden Wäldern.

 

1590

Der Chronist Petrus Albinus rühmt das Berggieshubeler Eisen als das fürtrefflichste in Sachsen und prägt den Begriff des "PirnischEisen".

 

1609

Im Quartal Crucis rechnen 39 Gruben gegenüber dem Bergmeister 3.666 Fuhren Eisenstein und 1.680 Fuhren Eisensteinschlich ab.

 

1618/48

Der einstmals blühende Bergbau bricht infolge des Dreißigjährigen Krieges völlig zusammen.

 

ab 1649

Die kriegszerstörten Hammerwerke werden schrittweise wieder aufgebaut und mit Hochöfen ausgerüstet.Aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sind in der SächsischenSchweiz und demOsterzgebirge neben dem Hochofen Brausenstein noch mehrere Zeugnisse des Eisengusses (Ofenplatten,Wappenplatten, Grabsteine) erhalten.

 

1686

Der andauernde Niedergang des Bergbaus und die daraus resultierende schlechte Geschäftslage zwingen Kurfürst Johann Georg III. zur Auflösung der Pirnaer Eisenkammer.

 

1717/22

Berg-und Hüttenleute entdecken die beiden ersten Heilquellen und legen damit den Grundstein für die Entwicklung des Kur- und Badewesens.

 

1722

Mit der Errichtung einer Kupferhütte mit Krummofen rückt der Kupferabbau wieder in den Mittelpunktder Bergbauaktivitäten.

 

1726

In diesem Jahr beginnt die Auffahrung des Friedrich Erbstolln,  des heutigen Besucherbergwerks

Marie-Louise-Stolln.

 

1727

Nach einer Darstellung des kurfürstlichen Bergkommissars August Beyer bestehen im Berggieshübeler Revier 17 gangbare Gruben, "meistens Eisenstein- und etliche Kupffer Zechen“.Der Wochenlohn für einen Steiger beläuft sich auf 27 Groschen, für einen Hauer auf 20 Groschen, für einen Knecht auf 18 Groschen und für einen Bergjungen auf 12-14 Groschen.Von ihrem kargen Lohn zahlen die Bergleute pro Quartal 2 Groschen in die Knappschaftskasse.Säumige Zahler werden mit 4 Groschen zur Kasse gebeten,Strafzahlungen sind z. B. auch für die Verspätung zum Morgengebet fällig. Im Falle eines tödlichen Unfalls erhalten die Hinterbliebenen des verunglückten Bergmanns bis zu 6 Taler aus der Kasse

ausgezahlt.

 

1731

Angesichts des katastrophalen Zustandes der Wälder untersagt Kurfürst Augustder Starke den

Hammerherren die begünstigte Holzentnahme aus den umliegenden Wäldern. Die meisten Hütten

müssen daraufhin in den nächsten Jahren ihren Betrieb einstellen. Auch der Bergbau leidet unter

dieser Maßnahme.

 

1768

Aufgrund des schlecht gehenden Bergbaus wird das Berggießhübler Bergamt mit dem Bergamt Glashütte vereinigt. 1783 werden die vereinigten Bergämter dem Altenberger-Bergamt zugeschlagen.

 

1813

Im letzten Jahr der Napoleonischen Befreiungskriege zerstören Soldaten beim Rückzug von der

Schlach tbei Dresden die Kupferhütte und die Bergwerke, so dass der Bergbau bis 1819 zum Erliegen kommt.

 

1815

König Friedrich August I. kehrt aus der preußischen Gefangenschaft nach Sachsen zurück. In Berggießhübel begrüßen die Mitglieder der Knappschaft den durch reisenden Monarchen.

 

ab 1820

Unter der Initiative des Kabinettsministers und Eisenhüttenunternehmers Detlev Graf von Einsiedel

komm tes zur schrittweisen Neuaufnahme des Bergbaus.

 

ab 1825

Unterhalb von Berggieshübel beginnt der Vortrieb des "Zwiesler-Tiefen-Erbstolln" als neuer tiefer

Erb-und Hauptsuchstollen.

 

1833/36

Die Gräflich Einsiedelsche Eisenhüttenadministration errichtet ein neues Eisenwerk.

 

1841

In Berggieshübel wird erstmals seit etwa 150 Jahren wieder ein Bergaufzug mit Bergpredigt abgehalten. Am Aufzug nehmen 78 Mitglieder der Berggieshübeler Knappschaft sowie leitende Offizianten des Bergamtes Altenberg, Mitglieder der Altenberger Knappschaft, und die Leitung und

Belegschaft des Gräflich-Einsiedelschen Hüttenwerkes teil.

 

1843

Die Berggießhübeler Knappschaft erhält eine neue eigene Knappschaftsfahne.

 

1845

Am Hochstein stürzt Obersteiger Hengst etwa 16 Meter tief in einen unter ihm zusammenbrechenden Grubenbau. Er übersteht das Unglück mit leichten Blessuren.

 

1870

Unter dem Magdeburger Unternehmer Hermann Gruson setzt im Grubenfeld "Mutter Gottes vereinigt Feld sammt Gott mit uns und Friedrich Erbstolln" ein intensiver Bergbau

ein.Gruson lässt auf dem Kirchberg umfangreiche neue Tagesanlagen errichten und den "Emma-Schacht" neu niederbringen. Bis zu 162 Bergleute fahren hier wieder ein.

 

1892

Aufgrund der Erschöpfung der Erzvorräte wird der Abbau auf "Mutter Gottes vereinigt Feld" eingestellt. Die meisten Kumpel finden in den Zinngruben von Altenberg und

Zinnwald bzw. in den Freitaler Kohlezechen eine neue Anstellung. Mit der Stilllegung von Mutter Gottes vereinigt Feld endet faktisch die Zeit des aktiven Berggieshübeler Bergbaus nach mehr als fünf Jahrhunderten. Alle noch folgenden Bergbauaktivitäten kommen über die Erkundung nicht hinaus. In der Bilanz stellen die Jahre zwischen 1870 und 1892 die intensivste Periode des Berggieshübeler Bergbaus dar. Die Berggießhübeler Zechen liefern im genannten Zeitraum reichlich 169.000 Tonnen hochwertiges Eisenerz. Allerdings kamen auch vier Bergleute bei

Arbeitsunfällen (allesamt auf "Mutter Gottes vereinigt Feld") ums Leben.

 

1923/25

Im"Martinschacht" der "Martinzeche" finden Erkundungsarbeiten statt, die allerdings erfolglos

verlaufen.Die letzte Schicht wurde am 15. August 1925 im "Zwiesler-Tiefen- Erbstolln" gefahren.

 

1938/42

Die Vereinigte Oberschlesische Hüttenwerke AG Gleiwtz pachtet das Grubenfeld "Prinzessin-Höhe"(inkl. "ZwieslerTiefer Erbstolln")und beginnt am 1. Oktober 1938 den Erkundungsbetrieb.

Im Bereich des Martinslagers wird der Schacht 38/1 bis zu einer Teufe von 175 Meter niedergebracht. Da aufgrund des negativen Verlaufs der Erkundungsarbeiten keine Chance auf

eine dauerhafte Wiederaufnahme des Berggieshubeler Bergbaus besteht,werden die Arbeiten am 31.Mai 1942 eingestellt. Damit findet der jahrhunderte alte Berggieshubeler Bergbau sein endgültiges Ende.

 

seit den 1950er Jahren

Aufgrund der unzureichenden Verwahrung der Altbergbauanlagen treten im Laufe der Jahre

zunehmend Bergschäden auf. In den 1970er Jahren setzen umfangreiche Verwahrungsarbeiten ein.

 

1999

Mittels Spendengelder kann ein Duplikat der originalen Knappschaftsfahne von 1843 angefertigt werden.

 

2000

Der Gebirgsverein 1899 Berggieshübel e.V. tritt mit ersten Planungsunterlagen zur Herrichtung des"Marie -LouiseStolln" als Besucherbergwerk an die Öffentlichkeit.

 

2000/01

Der am Hochstein gelegene Tiefe-Hammerzeche- Stolln wird saniert und als Fledermausquartier hergerichtet.

 

2003/06

Der"Marie- Louise-Stolln" wird saniert und zu einem Besucherbergwerk hergerichtet. Die Kosten

der Maßnahme belaufen sich auf ca. 3 Mill. €. Pfingsten 2006 erfolgt die feierliche Einweihung als Besucherbergwerk. Gleichzeitig wird die "Bergknappschaft zu Berggießhübel" am 4. Juni 2006 wiedergegründet.

 

2007

Zum Lichterfest fand am 6. Dezember 2007 erstmals ein Bergaufzug mit Bergpredigt statt.

 

2011

Am 18. Juni 2011 fand die Nachstellung des Historischen Bergaufzuges mit Bergpredigt vom 24.Juni 1841 statt. Am Bergaufzug nehmen über 120 Knappen der befreundeten Knappschaften und Bergbauvereine aus Altenberg, Bannewitz, Dorfhain, Glashütte,Freiberg, Freital und Seiffen

teil.

 

2012

Bereits zum 5.mal fand zum Berggießhübler Lichterfest am

09.Dezember der Bergaufzug mit Bergpredigt statt. Dabei fahren der Knappenverein Altenberg, die Knappschaft aus  

Glashütte und erstmals nahmen die Mitglieder von der AG Kalkwerk Borna-Gersdorf in historischen Uniformen teil. 

 

 

 

 

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